Eintauchen in eine Welt, in der Ritter mit Holzschwertern Spalier stehen und sich schon einmal als Uhu verkleiden

    Seit 6 × 11 Jahren gibt es das Castrum Solodurum. Um dies zu feiern, reisten Schlaraffen aus 34 «Reychen» nach Solothurn. 

    Vor 6 × 11 Jahren wurde das Castrum Solodurum gegründet. Dies feierten die Schlaraffen am Samstag im Landhaus. (Bild: Andre Veith)

    Ritter, Junker, Burgfrauen und Pilger im Landhaus: Hat sich Solothurn etwa zurück ins Mittelalter versetzt? Während es die meisten Leute an diesem Samstagabend eher an die Biertage oder die Kulturnacht zog, machten sich Schlaraffen von nah und fern auf ins Landhaus. Die Castrum Solodurum feierte 6 × 11 Jahrungen ihres Bestehens. Fast auf den Tag genau, am 26. April 1958, wurde das Solothurner «Reych» gegründet.

    «Das mittelalterliche Ritterspiel liegt geistig 500 Jahre zurück», sagt Ritter O’Boulus alias Markus Leuenberger. Seit mehr als vierzig Jahren ist beim Castrum Solodurum dabei. «Zwar folgt das Spiel bestimmten Regeln, es sollte aber spielerisch sein, und man soll über sich selbst lachen können.» Der Männerbund zur Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor wurde 1859 in Prag mehrheitlich von Künstlern gegründet und verbreitete sich im ganzen deutschsprachigen Raum.

    Aus 34 «Reychen» nach Solothurn gereist

    Wenn sich die Mitglieder der Schlaraffia in den sogenannten «Sippungen» treffen, verwandeln sich die Ärzte, Anwälte und Rentner in Ritter mitsamt «Rüstung». An ihren «Rittermänteln» und Mützen, die geschmückt sind mit unzähligen Orden, sind sie zu erkennen.

    Im Landhaus begrüssen sich die Schlaraffen mit dem Grusswort «Lulu» und ihrem Ritternamen. Auf ihren Krawatten oder Fliegen ist oft ihr Symboltier, der Uhu, zu sehen. An diesem Jubiläumsanlass sind die Schlaraffen mit ihren Burgfrauen aus 34 Reychen in der Schweiz, Deutschland und Österreich angereist. Die wöchentlichen «Sippungen» sind jedoch den Männern vorbehalten. Erst nach dem Apéro und der «Atzung» (Abendessen) fängt das «Ritterspiel» an.

    Solothurner Schlaraffen stehen mit Holzschwertern Spalier

    Wer hier zum ersten Mal dabei ist, taucht in eine neue Welt ein. Pünktlich um 20 Uhr startet der «Einritt». Die Solothurner Schlaraffen stehen mit Holzschwertern Spalier, und die Ritter werden begrüsst vom fungierenden «Oberschlaraffen», der das Spiel leitet und mit den weiteren «Oberschlaraffen» auf der Bühne sitzt. Der erste Teil ist von Zeremonien und Reden geprägt. Den Zwischenrufen und dem klopfenden Applaus ist die Stimmung der 250 Anwesenden zu entnehmen.

    Solothurner Schlaraffen stehen für die Ehrenritter Spalier. (Bild: Andre Veith)

    Zur Überraschung des Abends wurde Ritter Tunnel mit einem gebastelten Hosenträgerorden ausgezeichnet und zum Ehrenritter ernannt. Diese besondere Auszeichnung verleiht ein Reych jeweils an Schlaraffen anderer Reyche.

    Passend zu Solothurn werden im zweiten Teil elf «Fechsungen» vorgetragen. Das sind Darbietungen aller Art wie Poesie, Reden oder Musik. Der Anfang machten die Ritter Drill und Sforzando. Mit ihrer Band trugen sie ein Cover eines weltbekannten Rocksongs vor. Der Titel: «Wir sind Schlaraffen».

    Abwechselnd wurden musikalische Stücke und «Wortfechsungen» wie der Beitrag über die Geschichte des Reychs von Ritter O‘Boulus, der sich kurzerhand in einen Uhu verwandelte, vorgetragen. Über eine Theorie zur Lösung des Nachwuchsproblems der Schlaraffen, die eine App namens «Sassenship» (in Anlehnung an Parship) enthält, philosophierte Ritter Schlaraffael.

    Am Schluss werden die Rittermäntel wieder abgestreift

    An diesem Abend waren nicht nur Männer auf der Bühne. Zwei Burgfrauen trugen ihre Sicht auf die «Sassen» (Schlaraffen) vor. Im inszenierten Telefongespräch fragte die neue Burgfrau Claudia die Burgfrau Esthi um Rat. Uhuversum, Fanfare und Ausreiten: In diese und weitere Begriffe aus dem Schlaraffen-Latein ist eine Einführung notwendig, um das ganze «Ritterspiel» zu verstehen. «Ob die einen kleinen Vogel haben», fragte Claudia. «Nein, sogar einen ganz grossen. Der Uhu ist ihr Symboltier. Das Spiel ist mit viel Humor zu verstehen», antwortete Esthi.

    Zum Abschluss sangen alle «Sassen» des Castrum Solodurum auf der Bühne ihr Schlaraffenlied. Nach der «Sippung» ziehen die Ritter ihre Rittermäntel und Mützen wieder aus und treten aus ihrer Rolle heraus. Erst wenn sie sich wieder in ihrer «Burg» (Vereinslokal) mitten in Solothurn treffen, schlüpfen sie erneut in ihre «Rüstung».

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