Seit wenigen Tagen fahren automatisierte Autos auf den Furttaler Strassen. Der Aargau sieht das Pilotprojekt als Chance, um den Herausforderungen beim erhöhten Verkehrsaufkommen zu begegnen. 2026 dürften erstmals Passagiere mitfahren.

Im Furttal rollen in diesen Tagen Autos, die selbst fahren können. Die Nissans wirken unscheinbar, sind grau und mit Sensoren, Kameras und Mikrofonen ausgerüstet. Noch sitzt eine Person am Steuer, um im Notfall eingreifen zu können. Doch schon bald sollen sie eigenständig durch die Region fahren. Bis die Bevölkerung die autonomen Autos ausprobieren kann, dauert es aber noch.
Hinter dem Pilotprojekt «iamo –intelligente automatisierte Mobilität» steckt die Non-Profit-Organisation Swiss Transit Lab. Die Kantone Zürich und Aargau sowie die SBB beteiligen sich daran. Der Aargauer Regierungsrat hat dafür 1,9 Millionen Franken gesprochen. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat nun die Bewilligung zum automatisierten Fahren im Strassenverkehr erteilt.
Mit dieser darf das Projektteam die Fahrzeuge erstmals im regulären Verkehr bis zu 80 km/h automatisiert fahren lassen. Nach dem Start im Furttal wird das Einsatzgebiet auf die Aargauer Gemeinden Würenlos und Killwangen ausgeweitet. 110 Strassenkilometer umfasst die Testregion. Später soll das Projekt von drei auf acht automatisierte Autos sowie Kleinbusse erweitert werden.
«Wir brauchen Strassen für den öffentlichen Verkehr»
Für den Aargau sei das Projekt eine Chance, sagt der Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger an einer Medienkonferenz. Denn mit dem Bevölkerungswachstum des Kantons sei auch das erhöhte Verkehrsaufkommen eine Herausforderung.
Selbstfahrende Autos sollen in ländlichen Gebieten eine Lücke schliessen. «Ein Stundentakt auf dem Land ist nicht attraktiv», sagt Attiger. Es sei das beste Beispiel, dass es für den öffentlichen Verkehr Strassen brauche. Der Verkehr müsse gesamthaft angeschaut werden. «Der motorisierte Individualverkehr und der öffentliche Verkehr werden verschmelzen», sagt Attiger.
Auf den selbstfahrenden Autos klebt auch ein Etikett der SBB. «Die automatisierte Technologie auf den Strassen wird einen Wandel für die Mobilität in der Schweiz zur Folge haben», sagt der Leiter Regionalverkehr SBB, Nicolas Germanier. Durch die neue Technik würden die Bundesbahnen im Nahverkehr häufiger, schneller und flexibler fahren. «So können wir mehr Kunden in den öffentlichen Verkehr holen», sagt Germanier.
Zuerst sind die Autos noch nicht ganz allein unterwegs
In den letzten Wochen sind Mitarbeitende mit den selbstfahrenden Autos die Strassen des Furttals mehrfach abgefahren. So wurde die Region kartiert. Die Autonomie-Technik stammt vom chinesischen Technologieunternehmen WeRide. Die Daten würden auf Schweizer Clouds geladen und blieben dort, versichert Swiss Transit Lab.
Die eingesetzte Technik sei bereits in 30 Städten weltweit getestet worden. «Während der Trainingsphase geht es darum, die Fahrerfahrung gezielt auf die Schweiz-spezifische Verkehrssituation zu übertragen», schreiben die Projektverantwortlichen in einer Mitteilung. Gefahren wird zu unterschiedlichen Tageszeiten sowie Verkehrsaufkommen.
Dann folgt eine weitere Testphase, bei der die Autos ohne Sicherheitsfahrer unterwegs sind. Mitarbeitende überwachen dann die Fahrzeuge von einer zentralen Leitstelle. Für diesen Schritt braucht das Projekt eine weitere Freigabe durch das Astra.
Fahrten für Passagiere sollen 2026 möglich sein
Wenn diese Tests abgeschlossen sind, können Passagiere mitfahren. Laut aktuellem Stand ist dies voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 der Fall. Via App können Passagiere eine von 460 Haltestellen wählen und eine Fahrt buchen.
Maximal drei Personen können mitfahren. Die vorderen Sitze bleiben aus Sicherheitsgründen leer. Gepäck kann im Kofferraum verstaut werden. Wie viel das Ganze kosten wird, ist noch nicht bekannt. Die Preise würden sich laut den Projektverantwortlichen an öV-Billets sowie Fahrdiensten orientieren.
Die kurze Rundfahrt in Otelfingen ist geglückt: Das Auto hat bei der roten Ampel angehalten und im Kreisel keinem anderen Fahrzeug den Vortritt geklaut. Dennoch ist es ein ungewohntes Gefühl, mit einem Fahrer in einem Auto zu sitzen, ohne dass er die Hände am Steuerrad hat.