Seit 15 Jahren wird im Bucheggberg die Gelbbauchunke gezielt gefördert. Mit dem Klimawandel haben sich auch die Bedingungen für die Amphibienart verändert. Ein Förster und der Projektleiter des kantonalen Amts für Raumplanung erzählen, worin die Schwierigkeiten liegen.
Unauffällig und unspektakulär sehen die kleinen Tümpel im Bucheggberger Wald für Spaziergängerinnen aus. Für eine gefährdete Amphibienart sind sie jedoch überlebenswichtig: die Gelbbauchunke. Wie ihr Name bereits verrät, ist ihr Bauch leuchtend gelb mit schwarzen Flecken. Sie sind relativ klein und vor allem nachts aktiv.

«Die Gelbbauchunken machen uns Sorgen», sagt Projektleiter Jonas Lüthy vom Amt für Raumplanung Abteilung Natur und Landschaft. Denn: Sie seien sehr anspruchsvoll, und im Kanton gebe es nur noch wenige Orte, an denen sie vorkommen. «Diese Standorte müssen wir unbedingt erhalten und fördern.»
Der Bestand der Unke nimmt zunehmend ab. So sei etwa im Gäu die Gelbbauchunke im letzten Jahrzehnt verschwunden. Im Bucheggberg konnten sich die Amphibien auf tiefem Niveau halten.
«Früher gab es mehr Auenlandschaften. Genau solche temporäre Kleinstgewässer mag die Gelbbauchunke», sagt Jonas Lüthy. Die Unke ist für die Entwicklung ihrer Larven, also der Kaulquappen, an warme Tümpel gebunden, die einmal im Jahr austrocknen und möglichst frei von Pflanzen sind.

Gute Standorte sind etwa Vertiefungen von landwirtschaftlichen Fahrzeugen, wo sich das Wasser sammeln kann. Auch durch den Klimawandel seien die Bedingungen noch ungünstiger geworden, sagt Lüthy. Deshalb brauchen die Gelbbauchunken Ersatzstandorte. Ausserdem benötigen die Unken Ast- und Steinhaufen als Unterschlupf.
Gelbbauchunken werden seit 15 Jahren gefördert
Unter anderem in der Region Messen werden die Gelbbauchunken gefördert. Es ist eines von drei Förderprogrammen des Amts für Raumplanung im Kanton. Angefangen hat die Förderung der Gelbbauchunke im Bucheggberg 2010 mit einem Bericht der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (Kach) des Bundes. Damals wurde untersucht, wie viele Unken im Gebiet vorkommen und, ob weitere Gewässer für die Amphibien infrage kommen.
Die Waldeigentümerin, die Bürgergemeinde Messen, gab schnell das Einverständnis, Massnahmen zu ergreifen. Es kam zur Zusammenarbeit des Kach und des Forstbetriebs. Mark Hunninghaus ist seit 18 Jahren Förster im Bucheggberg und von Anfang an dabei.

Im Rahmen des Förderprojekts für Wiesel, Amphibien, Reptilien und Libellen im Bezirk Bucheggberg werden neben der Gelbbauchunke auch andere Tierarten gezielt gefördert. Dieses Projekt wird vom Forstbetrieb Bucheggberg getragen. Der aktuelle Schwerpunkt der Artenförderung liegt in Lüsslingen-Nennigkofen.
Tiefere Tümpel und neue Techniken
Mittlerweile hat das Forstteam im Bucheggberger Wald schon unzählige Unkentümpel angelegt. «Es ist sehr wetter- und bodenabhängig, wie lange die Tümpel Wasser halten», sagt Mark Hunninghaus. Deshalb hätten sie begonnen, die Tümpel tiefer zu machen und neue Techniken ausprobiert. Jedoch sind die Waldböden unterschiedlich durchlässig. «Wir müssen herausfinden, welcher Boden am besten passt.»
Eine weitere Idee, die der Förster bei durchlässigeren Böden ausprobieren will: Baumstämme zu einer Wanne aushöhlen und diese dann in den Böden versenken. «So können wir natürliche Tümpel simulieren.»
Im Sommer werden geeignete Standorte für die Tümpel gesucht. Ausserdem mähen die Förster die Standorte aus und schneiden beschattende Sträucher und Bäume zurück. Gegen Herbst und Winter werden dann neue Unkentümpel geschaffen sowie die bestehenden unterhalten.
Bei ihrer täglichen Arbeit im Wald haben sie den Naturschutz ständig im Hinterkopf. «Es ist toll, Tierarten zu fördern, die wir zuvor kaum beachtet haben oder kannten», sagt Mark Hunninghaus. Ausserdem seien die Fördermassnahmen eine schöne Ergänzung zur sonstigen Forstarbeit. «Das Projekt zeigt, dass Holzproduktion und Naturschutz Hand in Hand gehen können.»
Eine Herausforderung und Gratwanderung
Die Gelbbauchunken zu fördern, sei eine Herausforderung und eine Gratwanderung, sagt Jonas Lüthy vom Amt für Raumplanung. «Die Tümpel sollten im Sommer nicht zu früh austrocknen, sonst überleben die Eier nicht. Sie dürfen aber auch nicht zu tief sein, sonst siedeln sich etwa Bergmolche oder Wasserfrösche an, die den Laich oder Jungtiere der Gelbbauchunken fressen.»
Das Vorgehen: Viele kleine Tümpel an vielen Standorten zu bauen. «Es ist schwierig, abzuschätzen, ob wir Erfolg haben», sagt Lüthy. So hätten an einem Standort in den letzten Jahren neue Jungtiere überlebt, diesen Sommer sei dieser Unkentümpel jedoch ausgetrocknet.
Im Vorfeld einer gemeinsamen Begehung der insgesamt sieben Standorte diesen Sommer sei das Team davon ausgegangen, dass es heuer zu keiner Reproduktion der Gelbbauchunken kam, sagt Jonas Lüthy. «Vor Ort haben wir aber Larven und Jungtiere gefunden. Das hat uns gezeigt: Wir machen das Richtige.»