Solothurner Teamcaptain nach Doppel Gold an der Heim-WM: «Nach dem Sieg sind wir ein bisschen durchgedreht»

Die Schweiz ist Weltmeisterin im Kleinfeld-Unihockey. Sowohl die Frauen wie auch die Männer setzten sich an der Heim-WM durch. Stark dazu beigetragen haben die Spielerinnen aus der Region Solothurn.

«Es war verrückt. Wir konnten kaum glauben, dass wir zuhause um den Weltmeisterinnentitel spielen», sagt Franziska Müller, Teamcaptain des Nationalteams im Kleinfeld Unihockey sowie Mitglied des UHC Oekingen. Die Schweiz ist Weltmeisterin im Kleinfeld Unihockey. Sowohl die Frauen wie auch Männer gewannen am Wochenende Gold an der 3v3-Weltmeisterschaft in Winterthur.

In beiden Teams waren Solothurner vertreten. Im Frauen Nati-Team machten die Spielerinnen aus Oekingen und Rüttenen gar mehr als die Hälfte aus. Die Schweizerinnen setzten sich nach dem Penalty gegen Titelverteidiger Finnland durch.

Nach dem Sieg gegen die Fininnen nahmen die Schweizer Unihockeyanerinnen den Pokal feiernd entgegen. (Bild: Markus Aeschimann)

An der letzten Weltmeisterschaft vor einem Jahr im finnischen Lahti schieden die Schweizerinnen nach dem Halbfinale aus. Die Männer schafften es in den Viertelfinal.

Nach dem Sieg konnten die Unihockeyanerinnen ihre Emotionen nicht mehr halten, sagt Franziska Müller: «Dann sind wir ein bisschen durchgedreht». Es sei wie im Film gewesen. «Die Atmosphäre in der Arena AXA in Winterthur war der Hammer.» Unter den rund 800 Zuschauern waren viele Schweizer Fans. «Wir sind mega stolz. Unser Sieg bedeutet viel für das Kleinfeld Unihockey in der Schweiz.»

«Wussten nicht, was auf uns zukommt»

Die vier Gruppenspiele am Freitag haben die Schweizerinnen alle überlegen gewonnen und lediglich zwei Gegengoals kassiert. «Das hat uns geholfen reinzukommen. Denn wir wussten nicht, was auf uns zukommt», sagt Müller. Da zwei Frauenteams nicht anreisen konnten, hatte das Frauen Nati-Team andere Gegnerinnen als ursprünglich geplant.

Solothurner Teamcaptain Franzsika Müller freut sich über den Sieg. (Bild: Philipp Düsel)

Im Viertelfinale am Samstag trafen die Schweizerinnen auf Deutschland. «Unsere Stimmung war gut», sagt Müller. «Wir wussten vom Vortag, was wir können. Wir waren aber trotzdem nervös.» Klar war auch: Ab dem Viertelfinal wird es schwieriger zu gewinnen.

Zweimal Penalty bis zum Sieg

Im Halbfinal gegen Schweden lagen die Schweizerinnen in der ersten Halbzeit 2:0 hinten. «Wegen der kurzen Spieldauer, ist es nicht ganz einfach aufzuholen.» Lediglich zweimal zehn Minuten spielten sie gegeneinander. Dazu seien die Schwedinnen und Finnen im Unihockey dominant. «Wir hatten aber keine Angst vor dem schwedischen Team.» Es sei eher ein Ansporn gewesen gegen die Besten zu spielen.

Nach dem Sieg gegen die Finninnen nehmen die Schweizer Unihockeyanerinnen feiernd ihren Pokal entgegen.(Bild: Markus Aeschimann)

In der zweiten Halbzeit sind die Schweizerinnen nicht hektisch geworden, sagt Teamcaptain Müller: «Wir haben keine Gegentore kassiert und haben Tor um Tor aufgeholt.» Nach dem 2:2 entschied das Penaltyschiessen um den Einzug ins Finale.

Ausgleich zehn Sekunden vor Schluss

Nach dem Sieg gegen die Schwedinnen war die Freude bei den Schweizerinnen riesig, sagt Müller. Im Finale wartete Finnland. In der ersten Halbzeit lagen die Schweiz 3:1 vorne. Dann holte das gegnerische Team noch einmal auf. «Zehn Sekunden vor Schluss glichen die Finninnen zum 3:3 aus». Damit stand alles wieder offen.

«Wir haben Kampfwillen gezeigt und alles gegeben», sagt Franziska Müller. Als Goalie Chiara Ochsenbein beim Penaltyschiessen nach Verlängerung den entscheidenden Ball fing, war klar: die Schweizerinnen sind 3v3-Weltmeisterinnen.

Eine der Penaltyschützinnen war Irene Reinhart vom UH Rüttenen: «Ich wusste, egal was passiert, ob jemand ihn macht oder nicht, alle stehen hinter einem.» Dadurch sei auch der Druck weniger hoch gewesen. Der Zusammenhalt im Team sei super gewesen. «Es war unglaublich schön, das gemeinsam erleben zu können und den Sieg nach Hause zu bringen. Das wird mir lange in Erinnerung bleiben.»

Riesenfreude beim Solothurner Unihockeyaner

Auch die Männer überragten an der Heim-WM. Mitten drin war Claudio Nussbaumer von Unihockey Mümliswil: «Für mich war es ein Riesenerlebnis überhaupt an der Weltmeisterschaft zu spielen». Die Stimmung in der Halle sei brutal gewesen. «Die Fans haben mitgemacht. Für uns ist es ein unvergessliches Erlebnis in der Schweiz zu gewinnen.»

Die Resultate der Schweizer in den Finalspielen waren deutlich. Zwar sah es im Viertelfinal gegen die Ungaren zuerst nicht so aus. In den zweiten Halbzeit konnten die Schweizer dann den Match umkehren. «Wir wussten, dass unsere Gegner stark sind und was auf uns zu kommt», sagt Nussbaumer.

Auch habe das Team gut zusammen gehalten. «Wir waren gut vorbereitet: physisch und mental.» Das professionelle Training mit mentaler Vorbereitung sei sich der Mümliswiler vom Verein nicht gewohnt. «Daraus kann ich viel lernen.»

Kühler Kopf vor dem Final

Vor dem Finalspiel habe das Team noch nicht gross um den Weltmeistertitel Gedanken gemacht, sagt Nussbaumer: «Wir hatten eine Riesenfreude, weil wir wussten, dass wir eine Medaille auf sicher haben». Im Finale trafen die Schweizer erneut auf die Ukrainer. «Wir waren etwas gelassener, weil wir sie schon im Gruppenspiel geschlagen hatten», sagt Nussbaumer. An ihrer Strategie haben sie nicht gross etwas verändert. «Wir haben noch einmal Vollgas gegeben.»

Nach der ersten Halbzeit waren die Schweizer im Rückstand. Kurz nach der kleinen Pause glichen sie zum 1:1 aus. In den letzten zehn Minuten haben die Schweizer noch einmal aufgedreht und gepusht. Mit 5:3 standen zum Schluss die Schweizer als 3v3-Weltmeister fest. «Wir haben uns überhaupt keinen Druck gemacht. Umso schöner ist es, Gold zu gewinnen.» Das sei nur möglich gewesen durch das ganze Team, sagt Nussbaumer: «Es hat uns alle gebraucht.»


Resultate 3v3-WM

Frauen:

Viertelfinal: Schweiz – Deutschland 3:1 
Halbfinal: Schweden – Schweiz 2:3 n. P. 
Final: Finnland – Schweiz 3:4 n. P.

Männer:

Achtelfinal: Schweiz – Lettland 4:3 
Viertelfinal: Schweiz – Ungarn 4:3 
Halbfinal: Slowenien – Schweiz 2:6 
Final: Schweiz – Ukraine 5:3


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